Schluss, Aus, vorbei. Wir machen gerade die Augen auf und realisieren wohl erst jetzt so wirklich das es das war. Wo soll ich anfangen? Ehrlich gesagt habe ich gerade überhaupt keine Lust diesen Beitrag zu schreiben weil es nun überhaupt keinen Lichtblick an diesem Tag gab außer eine KaraokeBar am späten Abend.
Bei 30 Grad ging es mit dem Taxi in Richtung Innenstadt. Auf der in Kazan berühmten Bauman Street war die Hölle los. Man begegnete bekannte Gesichter und einige Deutsche Fans und die Süd Koreaner? - Fehlanzeige! Weder in Moskau oder Sochi haben wir so viele grüne, weiße und schwarze Deutsche Trikots in den Straßen herumlaufen sehen wie hier. Der erste Eindruck stimmte schon mal. Wir suchten uns zuerst eine Stovolaya aus, eine Art Kantine die nur typisch Russisches Essen zu günstigen Preisen anbietet heraus. Grundlage schaffen war die Devise. Hier zahlten wir für 4 volle Teller inkl. Salat und Suppe insgesamt 8€. Die Reisegruppe Stuttgart (VfB, Micha so besser) um Micha und Steffen durfte hierbei natürlich nicht fehlen.
Gestärkt zogen wir in die erste Bar die sich im Kellergeschoss befand. Hier das selbe Bild wie auf den Straßen, nur Deutsche. Schnell stand ein 3 Liter Bottich Gerstensaft auf dem Tisch und so fachsimpelten wir über das kommende Spiel gegen die Koreaner. Was wir komisch fanden, wenn wir Leute aus dem asiatischen Teil der Erde erblickten, hatten diese meist Deutschland Trikots mit nur einem Namen hinten drauf und das war Mesut Özil - lassen wir es einfach mal so unkommentiert stehen.
Gute 3 Stunden vor dem Spiel machten wir uns auf zum Taxistand. Auf dem Weg dorthin liefen wir durch Zufall noch am deutschen Mannschaftshotel vorbei wo der Bus zur Abfahrt bereit war. Dutzende Deutsche standen noch davor und wollten ein Foto mit den Stars schießen. Kurze Zeit später saßen wir also im Taxi Richtung Stadion und vor uns fuhr der Bus der Koreaner - ob sie da schon wussten das sie heute Geschichte schreiben können?
Am Stadion angekommen wurde die ein oder andere Karte noch von Schwarzmarkthändlern für den doppelten Preis verkauft und so machten wir uns ein letztes Mal auf ins Stadion.
Die Kazan Arena war bisher das langweiligste Stadion von allen bisher gesehenen, außen wie von innen sehr trist. Eine Stunde vor Anpfiff war der Block gut gefüllt. Es herrschte aber irgendwie keine angespannte Atmosphäre in etwa wie beim Schweden Spiel sondern eher im Gegenteil - voller Optimums. Eine Art, „das packen wir heute schon, das machen wir mit links". Relativ schnell wurde allen im Block klar, dass es heute kein Spaziergang werden würde.
Keine Stimmung im ganzen Stadion, hatte schon was von Freundschaftsspielcharakter. Das Bier was ausgeschenkt wurde war warm und mit einem Auge blickte man die ganze Zeit auf sein Handy wie es denn beim anderen Spiel der Schweden steht.
Es wurde mehr gerechnet als sich auf das Spiel zu konzentrieren. „Reicht ein 0:0, können wir sogar 1:0 verlieren wenn México gewinnt, was wäre wenn war hier die Frage oder wie Loddar sagen würde, „Wäre, wäre Fahrradkette"!
0:0 ging es dann in die Halbzeit, die Sonne hatte sich bereits soweit gedreht das wir komplett in der brütenden Hitze standen.
Im Verlauf der zweiten Halbzeit machte das Ergebnis der Schweden relativ Schnell die Runde und ab jetzt war es klar, wir müssen noch einen machen, unbedingt. Die Jungs auf dem Platz hatten allerdings eine andere Einstellung. Minute für Minute lief die Uhr herunter und dann kam es wie es kommen musste 1:0 für die mit Kampf spielenden Koreaner. Ich sackte zusammen und wusste „Das war‘s". Manche im Block hatten Tränen in den Augen, manche Fluchten und die anderen sagen bereits „Jogi raus". Ich hingegen verfolgte die restlichen Momente nur noch mit leerem / starren Blick aufs Spielfeld ehe noch das 2:0 fiel. So groß und ausgelassen die Freude noch nachdem Schweden Spiel war, so bitter und enttäuschend war nun mein Gefühlslage ähnlich wie nach dem EM-Halbfinalaus gegen die Franzosen. So ist es aber eben nun manchmal, dass es bei so einem Turnier nur einen Sieger geben kann.
Was ich bereits vorher schon im Gefühl hatte bewahrheitete sich heute. Wir kommen bei dem Turnier nicht weit und sorgen nicht für Furore. Wie auch in Rio 2014 nachdem Finale blieben wir alle wortlos auf unseren Plätzen sitzen bis uns 1,5 Stunden nach Abpfiff die Ordner raus schickten.
Auf dem Weg zum Taxi kamen uns lachende Koreaner und niedergeschlagene Deutsche entgegen und es wurde das Spiel mit dem verbundenen Vorrundenaus analysiert. Wir sind faire Verlierer und dieses Mal hat es einfach nicht gereicht. Ob jetzt jemand zurücktreten soll oder Jogi‘s Zeit abgelaufen ist möchten wir nicht kommentieren. Fakt ist, dass Veränderungen vorgenommen werden müssen wie auch immer.
Im Taxi angekommen stellte sich für uns die Frage, ab ins Hotel und Frust schieben oder noch einen gemütlichen Abend in der Stadt verbringen. Wir entschieden uns für die zweite Variante und landeten wenig später in einer Pizzeria. Um kurz vor 23 Uhr wollten wir dann eigentlich nach Hause aber dann passierte was, womit wir nicht rechneten. Die Pizzeria verwandelte sich in eine KaraokeBar und so schmetterten wir noch bis tief in die Nacht deutsche Klassiker oder auch Ti Amo ins Mirkofon. Hier muss man sagen das Kevin mit Abstand der stärkste am Mike war und gute Chancen auf einen Sieg bei "Russki gotski Talentski" hätte. Was man sonst nur aus Liverpool oder Dortmund kennt wurde dann als letztes in Kasan gespielt. Micha, Steffen, David, Kevin, Bastian und ich nahmen sich die Mikrofone, fassten sich an den Bundesadler und sangen sinnbildlich zum Abschluss „You‘ll Never Walk Alone".
Wir sind auch bei der nächsten EM wieder mit am Start egal wann ihr raus fliegt.
Im Hotel angekommen machten wir die Augen zu und waren trotzdem froh bisher so eine geile Zeit miterlebt zu haben.
Jetzt sitzen wir schon wieder in der berühmten Bauman Street und warten bis die letzten Vorrundenspiele losgehen.
Heute und morgen steht nichts mehr großes auf dem Programm ehe es dann am Samstag wieder Richtung Heimat geht.
Wir melden uns.
Nastrovje
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