Mittwoch, 27. Juni 2018

Migration-Card please!

Nach knapp 50 Stunden rollten wir pünktlich auf die Minute in Kasan ein. Davon kann sich die Deutsche Bahn mal ein oder besser gesagt zwei Scheiben von abschneiden. Mit gehörigen Rückenschmerzen, Duschmangel und Kohldampf starteten wir also auf zu unserer letzten Station auf unserem Trip. Bei strahlenden Sonnenschein und knapp 30 Grad rollten unsere Koffer zum Taxiplatz. Hier standen wir etwas planlos herum und aufeinmal kam ein junger Mann auf uns zu und fragte mit gebrochenem Deutsch „Ich bin Marco und lerne gerade Deutsch, ich möchte Sie weiterhelfen". Der Mann war Weltklasse und war uns eine große Hilfe. Selbst die angebotenen 100 Rubel (=1,30€) lehnte er ab. Nach etwa 30 Minuten Fahrzeit kamen wir am Hotel an, so dachten wir zumindest. Wir sind ca. 15 Kilometer außerhalb der Stadt untergebracht und unsere App schmiss uns in irgendeiner Plattenbausiedlung raus. Die Jungs hatten schon wieder schlimmste Befürchtungen, erneut in einer Kaschemme wir in Moskau unterzukommen. Der Schock hielt aber nicht lange an, wir durchfragten uns mit dem Google Translator bis hin zur unserer 3*** Sterne Unterkunft welche grundsolide ist. Approppo Google Translator.... Wenn wir hier mit russischen Beamten, Behörden, Bürgern, Taxifahrern oder wem auch immer unterhalten, es bleibt einfach nur der Google Translator. Mit Zeichensprache oder Englisch kommst du hier nicht all zu weit. Für die Leser die diesen Dienst nicht kennen, Google bietet eine App an wo du dein Anliegen eintippen oder einsprechen kannst und dieser übersetzt es dann automatisch in die Sprache deiner Wahl. Ah wo wir gerade beim Thema Beamten und Behörden sind, fällt die Geschichte doch ordentlich ins Gewicht. Zuerst wurde geduscht was das Zeug hält, haben uns frisch gemacht und die Beine hoch gelegt. Anschließend wollten wir direkt weiter in ein Restaurant aber es schüttete aus Eimern, ein richtig übler Regenmonsum erreichte Kasan und setzte manche Teile komplett unter Wasser. Als wir auf unseren Betten lagen fiel David ein das er ja immer noch nicht seine MigrationCard hat, die wichtiger denn je bei der Ausreise ist. Kurzerhand wurde der ganze Koffer nochmal auf links gezogen aber es bleibt dabei - keine MigrationCard die ca. so groß wie eine Zigarettenschachtel ist. So entschloss sich der Jung eine Polizeistation aufzusuchen. Auf den Weg dorthin stand sogar eine Polizeistreife am Straßenrand und bevor wir jetzt groß die Station suchten fragten wir sofort bei den Kollegen nach. Es wurde natürlich wieder der Translator bemüht und uns wurde relativ schnell klar, dass dieses Problem nicht ganz so fix erledigt sein würde. Fürs Protokoll, um 18 Uhr fragten wir die Kollegen in Uniform und um kurz nach 23 Uhr hatte David dann endlich seine neue MigrationCard. Er wurde in der Zwischenzeit auf 5 verschiedene Reviere gefahren, musste unzählige Male erklären wo und wann er das Stück verloren hatte und wurde am Ende mit Fingerabdrücke und Fotos entlassen. Ein dickes Spassiba (Russisch = Danke) an die Kollegen die ihn zum Restaurant gebracht haben und danach war er fix und fertig. Kevin begleitete ihn auf dieser Tortur, für Bastian und mich war kein Platz mehr im Streifenwagen. So zogen wir in das vorher ausgesuchte Lokal und hauten uns die Bäuche voll. Während die Argentinier das Ding noch wuppten fielen uns fast schon von alleine die Augen zu. Kurz vor Mitternacht liefen wir wieder ins Hotel und holten uns noch schnell ein Eis auf die Hand. Mit einer Kugel Eis in der Hand und er MigrationCard in der Tasche schliefen wir innerhalb von Sekunden in unseren Betten ein. 


Heute klingelte der Wecker um 10 Uhr, Wir präparierten uns ein letztes Mal und hatten kurzerhand alle unsere Deutschland Kluft an. Knapp 30 Grad zeigt das Thermometer vom Taxi an, worin wir gerade sitzen. Es geht zur Baumann Street, dem Zentrum von Kasan. Wir sind gespannt und melden uns später.

Wünschen euch allen ein tolles Spiel mit dem besseren Ausgang für unsere N11

Nastrovje 


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