Wie auch in meinen Abschlussberichten 2014 und 2016 möchte ich eigentlich mehr auf das Land und die Leute als auf den Fußball selber eingehen. Als damals bei der Auslosung „WM 2018 - Russia" auf dem Zettel von Herrn Platini stand war ich erstmal etwas enttäuscht. Ein sehr großes Land, worüber ich reisetechnisch noch nicht viel gehört habe, riss mich im ersten Moment nicht vom Hocker. Zugegebenermaßen war ich mir am Anfang noch nicht einmal sicher ob ich dahin fahre. Schnell aber war die Frage geklärt - na klar fahre ich dahin. Man darf sich bei solchen Turnieren ja nicht immer nur die Rosinen wie Südafrika oder Brasilien herauspicken. (O-Ton Janno)
Ich erinnerte mich schnell an die EM 2012 in Polen und Ukraine welche mir landschaftlich auch schon sehr gut gefiel. Nach einer ziemlich souveränen Qualifikationsrunde wo wir auswärts fast überall live vor Ort waren (San Marino, Norwegen, Nordirland und Tschechien) stand die Reisegruppe dann relativ schnell fest und so buchten wir nach der Auslosung im Dezember unsere Flüge. Über den Zeitraum waren wir uns auch ziemlich schnell einig und so ging es für uns nicht wie in Brasilien 4 Wochen auf Tour sondern „nur" 2 Wochen. Voller Vorfreude und intensiver Planung ging die Reisegruppe Borchers, Fondermann, Stolte und Ziegler dann am 16. Juni auf Russland - Entdeckung.
Ich war vom ersten Tag an begeistert welch gute Organisation die Russen durchweg bei allen Vorgängen hatten.
Ob es der Visums-Ersatz war...eine FANID die problemlos zu beantragen war und die einem pünktlich zugeschickt worden ist.
Ob es die schnellen Kontrollen bei der Einreisen waren die zu überhaupt keinen Wartezeiten führten.
Ob es die gute Organisation der Ticketausgabestellen war wo wir in Südafrika zum Beispiel mehrere Stunden verloren.
Ob es Telefonanbieter gab die problemlos SIM Karten am Flughafen zu Fanfreundlichen Preisen (30 GB = 12€) verkauften.
Ob es die schnellen Einlasskontrollen am Stadion waren.
Ob es die durchweg freundlichen Mitarbeiter oder Leute oder Bürger waren. Sei es Taxifahrer, Kellner, Kassierer an der Supermarktkasse, Polizisten oder Volunteers und viele mehr.
Ach ich könnte jetzt noch so viele Menschen aufzählen aber das würde hier jetzt den Rahmen sprengen.
Jedenfalls ist es ja schon fast obligatorisch wie fast jeder Sender und jede Zeitung ausnahmslos nur negativ über solche Turniere berichtet. Die schlimmen russischen Hooligans die auf Deutsche Fans Jagd machen...Die Stadien die nicht sicher sind und nicht fertiggestellt werden. Die hohen Hotelkosten und weiten Inlandsflüge/strecken. Das und noch vieles mehr ist, wie gesagt, jedes zweite Jahr der selbe Schmarrn. Von all den aufgezählten Punkten kann ich nicht eines ansatzweise teilen.
Wir haben uns zu jederzeit und überall im Land sicher aufgehoben gefühlt. Nicht in einer Zeitung oder im russischen Fernsehen konnte ich andere Dinge festmachen.
Die 5 Stadien die wir in Moskau (2x), St. Petersburg, Sochi und Kazan gesehen haben waren alle sehr modern und in irgendeiner Weise einzigartig.
Die Hotelkosten hielten sich aufgrund früher Buchung auch komplett im bezahlbaren Rahmen und wir gaben nie mehr als 40€ pro Person / Nacht aus.
Die weiten Anreisen waren für uns überhaupt kein Problem. Mal ging es mit dem Schnell-Zug von Moskau nach St. Petersburg, dann mit dem Flieger nach Sotschi und ehe es dann 50 Stunden mit der Bimmelbahn nach Kasan ging.
Da wir in 4 verschiedenen Städten waren, hat man auch einen guten Querschnitt von dem riesengroßen Land bekommen. In der Hauptstadt, und gleichzeitig größten Stadt, Moskaus hat mich der rote Platz mit dem dazugehörigen Kreml beeindruckt.
Das an der Ostsee gelegene St. Petersburg war mit seinen großen Prachtbauten, Kirchen und gold gehaltenen Dächern/Spitzen magisch.
Das ganz im warmen Süden am Schwarzen Meer liegende Sotschi hatte was von Urlaub und Entspannung. Die Promenade und die leckeren Fleischspieße blieben mir hier besonders in Erinneung.
Und dann ging es ja noch einmal (halb) quer durchs ganze Land ins etwas östliche Kasan mit der Bahn. Wie in meinem Bericht ja schon geschrieben, ein Erlebnis für sich. Durch all die kleinen Dörfer zu fahren, der schier unendlich Landschaft zu folgen und einfach fast 50 Stunden auf engstem Raum zu verbringen - nicht zu bezahlen.
Und um nochmal kurz auf das sportliche einzugehen. Ich mag die Kritiker nicht die nun mit erhobenen Finger auf Jogi und seine Jungs zeigen. Das war, keine Frage, keine Glanzleistung jedoch gehören Niederlagen genauso zum Sport wie große Erfolge. In Brasilien waren wir noch alle happy und 4 Jahre später soll es das alles wieder gewesen sein? Nein ich kann das schon richtig einschätzen und dieses Mal hat es einfach nicht gereicht und das ist schon verdient und ok so. Wenn man nach Spanien, Holland oder sogar Italien schaut, die hätten gerne die letzten Jahre mit uns getauscht. Wir greifen wieder an, da bin ich mir sicher.
Zum Schluss bleibt mir zu sagen:
Wir hatten eine wirklich schöne Zeit die ich nicht missen möchte. Es war eine wundervolle Erfahrung die ich nur jedem raten kann. Besucht Russland liebe Freunde - auch wenn dort keine WM ist.
Als letztes will ich mich bei meiner Reisegruppe, im Landeanflug auf Düsseldorf, ganz herzlich bedanken. David, Kevin, Bastian und ich waren immer ein gutes Team was immer zusammen hielt. Wir hatten uns in 2 Wochen nie in den Haaren was nicht selbstverständlich ist. Wir hatten richtig lustige Abende, lagen uns jubelnd nachdem 2:1 durch Kross gegen Schweden in den Armen, waren aber genauso niedergeschlagen nachdem Aus gegen Südkorea.
Ich DANKE euch und verabschiede mich hiermit.
Lieben Dank an alle fleißigen Blog-Leser und die uns unterstützt haben.
Nastrovje
P.S. An dieser Stelle möchte ich noch meinen Kollegen Manulu Terlinden grüßen. Danke für deine Wodka-Runde.;)