Samstag, 30. Juni 2018

Danke Russland

Und so schnell sind 2 Wochen schon wieder vorbei. Wie vor 4 Jahren auch, sitze ich gerade im Flieger und schreibe meinen Abschlussbericht mit dem einzigen Unterschied das wir nun als Deppen zurückkehren und nicht wie vor 4 Jahren als Weltmeister. 


Wie auch in meinen Abschlussberichten 2014 und 2016 möchte ich eigentlich mehr auf das Land und die Leute als auf den Fußball selber eingehen. Als damals bei der Auslosung „WM 2018 - Russia" auf dem Zettel von Herrn Platini stand war ich erstmal etwas enttäuscht. Ein sehr großes Land, worüber ich reisetechnisch noch nicht viel gehört habe, riss mich im ersten Moment nicht vom Hocker. Zugegebenermaßen war ich mir am Anfang noch nicht einmal sicher ob ich dahin fahre. Schnell aber war die Frage geklärt - na klar fahre ich dahin. Man darf sich bei solchen Turnieren ja nicht immer nur die Rosinen wie Südafrika oder Brasilien herauspicken. (O-Ton Janno) 

Ich erinnerte mich schnell an die EM 2012 in Polen und Ukraine welche mir landschaftlich auch schon sehr gut gefiel. Nach einer ziemlich souveränen Qualifikationsrunde wo wir auswärts fast überall live vor Ort waren (San Marino, Norwegen, Nordirland und Tschechien) stand die Reisegruppe dann relativ schnell fest und so buchten wir nach der Auslosung im Dezember unsere Flüge. Über den Zeitraum waren wir uns auch ziemlich schnell einig und so ging es für uns nicht wie in Brasilien 4 Wochen auf Tour sondern „nur" 2 Wochen. Voller Vorfreude und intensiver Planung ging die Reisegruppe Borchers, Fondermann, Stolte und Ziegler dann am 16. Juni auf Russland - Entdeckung. 

Ich war vom ersten Tag an begeistert welch gute Organisation die Russen durchweg bei allen Vorgängen hatten. 

Ob es der Visums-Ersatz war...eine FANID die problemlos zu beantragen war und die einem pünktlich zugeschickt worden ist.

Ob es die schnellen Kontrollen bei der Einreisen waren die zu überhaupt keinen Wartezeiten führten.

Ob es die gute Organisation der Ticketausgabestellen war wo wir in Südafrika zum Beispiel mehrere Stunden verloren. 

Ob es Telefonanbieter gab die problemlos SIM Karten am Flughafen zu Fanfreundlichen Preisen (30 GB = 12€) verkauften.

Ob es die schnellen Einlasskontrollen am Stadion waren.

Ob es die durchweg freundlichen Mitarbeiter oder Leute oder Bürger waren. Sei es Taxifahrer, Kellner, Kassierer an der Supermarktkasse, Polizisten oder Volunteers und viele mehr. 

Ach ich könnte jetzt noch so viele Menschen aufzählen aber das würde hier jetzt den Rahmen sprengen.

Jedenfalls ist es ja schon fast obligatorisch wie fast jeder Sender und jede Zeitung ausnahmslos nur negativ über solche Turniere berichtet. Die schlimmen russischen Hooligans die auf Deutsche Fans Jagd machen...Die Stadien die nicht sicher sind und nicht fertiggestellt werden. Die hohen Hotelkosten und weiten Inlandsflüge/strecken. Das und noch vieles mehr ist, wie gesagt, jedes zweite Jahr der selbe Schmarrn. Von all den aufgezählten Punkten kann ich nicht eines ansatzweise teilen. 

Wir haben uns zu jederzeit und überall im Land sicher aufgehoben gefühlt. Nicht in einer Zeitung oder im russischen Fernsehen konnte ich andere Dinge festmachen. 

Die 5 Stadien die wir in Moskau (2x), St. Petersburg, Sochi und Kazan gesehen haben waren alle sehr modern und in irgendeiner Weise einzigartig. 

Die Hotelkosten hielten sich aufgrund früher Buchung auch komplett im bezahlbaren Rahmen und wir gaben nie mehr als 40€ pro Person / Nacht aus. 

Die weiten Anreisen waren für uns überhaupt kein Problem. Mal ging es mit dem Schnell-Zug von Moskau nach St. Petersburg, dann mit dem Flieger nach Sotschi und ehe es dann 50 Stunden mit der Bimmelbahn nach Kasan ging. 

Da wir in 4 verschiedenen Städten waren, hat man auch einen guten Querschnitt von dem riesengroßen Land bekommen. In der Hauptstadt, und gleichzeitig größten Stadt, Moskaus hat mich der rote Platz mit dem dazugehörigen Kreml beeindruckt. 

Das an der Ostsee gelegene St. Petersburg war mit seinen großen Prachtbauten, Kirchen und gold gehaltenen Dächern/Spitzen magisch. 

Das ganz im warmen Süden am Schwarzen Meer liegende Sotschi hatte was von Urlaub und Entspannung. Die Promenade und die leckeren Fleischspieße blieben mir hier besonders in Erinneung. 

Und dann ging es ja noch einmal (halb) quer durchs ganze Land ins etwas östliche Kasan mit der Bahn. Wie in meinem Bericht ja schon geschrieben, ein Erlebnis für sich. Durch all die kleinen Dörfer zu fahren, der schier unendlich Landschaft zu folgen und einfach fast 50 Stunden auf engstem Raum zu verbringen - nicht zu bezahlen. 

Und um nochmal kurz auf das sportliche einzugehen. Ich mag die Kritiker nicht die nun mit erhobenen Finger auf Jogi und seine Jungs zeigen. Das war, keine Frage, keine Glanzleistung jedoch gehören Niederlagen genauso zum Sport wie große Erfolge. In Brasilien waren wir noch alle happy und 4 Jahre später soll es das alles wieder gewesen sein? Nein ich kann das schon richtig einschätzen und dieses Mal hat es einfach nicht gereicht und das ist schon verdient und ok so. Wenn man nach Spanien, Holland oder sogar Italien schaut, die hätten gerne die letzten Jahre mit uns getauscht. Wir greifen wieder an, da bin ich mir sicher.

Zum Schluss bleibt mir zu sagen:

Wir hatten eine wirklich schöne Zeit die ich nicht missen möchte. Es war eine wundervolle Erfahrung die ich nur jedem raten kann. Besucht Russland liebe Freunde - auch wenn dort keine WM ist. 

Als letztes will ich mich bei meiner Reisegruppe, im Landeanflug auf Düsseldorf, ganz herzlich bedanken. David, Kevin, Bastian und ich waren immer ein gutes Team was immer zusammen hielt. Wir hatten uns in 2 Wochen nie in den Haaren was nicht selbstverständlich ist. Wir hatten richtig lustige Abende, lagen uns jubelnd nachdem 2:1 durch Kross gegen Schweden in den Armen, waren aber genauso niedergeschlagen nachdem Aus gegen Südkorea. 

Ich DANKE euch und verabschiede mich hiermit. 

Lieben Dank an alle fleißigen Blog-Leser und die uns unterstützt haben. 

Nastrovje 

P.S. An dieser Stelle möchte ich noch meinen Kollegen Manulu Terlinden grüßen. Danke für deine Wodka-Runde.;)


Russia vs. Germany

Und so schnell sind 2 Wochen schon wieder vorbei. Wie vor 4 Jahren auch, sitze ich gerade im Flieger und schreibe meinen Abschlussbericht mit dem einzigen Unterschied das wir nun als Deppen zurückkehren und nicht wie vor 4 Jahren als Weltmeister. 


Bevor ich ein kleines Resümee zieh, schreibe ich noch kurz wie die letzten beiden Tage abliefen. Am Tag nach dem Vorrundenaus hatten wir alle noch einen Riesen großen Hals und mussten das Aus erstmal verarbeiten. Daher wurde auch kein Wecker gestellt und wir schliefen bis mittags durch. Nach der Dusche ging es dann wieder Richtung City aber ohne Deutschland Klamotten denn wir hatten keine Lust doof angeschaut zu werden. Schnell wurde ein Restaurant, wessen Service zu wünschen übrig ließ, herausgesucht wo wir das Mittagsspiel Senegal - Kolumbien schauten. 

Irgendwie waren wir total unmotiviert und es musste eine knackige Idee her. Unser sportlichster und aktivster Mitfahrer Kevin hatte dann einen tollen Einfall. Wir suchten den nächsten Souvenir Shop auf und kurze Zeit später war der original gefälschte WM-Lederball für 8,99€ eingetütet. Damit ging es dann zum Taxi, was uns dann wieder zur Unterkunft brachte. Anschließend zogen wir das an, was nach einem halbwegs sportlichen Outfit aussah und gingen rüber zum Gummisportplatz hinterm Hotel. 

So normal diese Geschichte sich gerade liest so besonders war sie aber im Endeffekt für uns. Auf dem Platz tummelten sich ca. 10 Jungs, alle in etwa zwischen 3 - 13 Jahre. Jeder machte dort sein eigenes Ding aber überall sah es nach Fußball aus. Die Jungs staunten nicht schlecht als 4 gestandenen (der eine mehr, der andere weniger) Männer mit Deutschland Trikot in „ihr Stadion" aufliefen. Von Berührungsängsten keine Spur. Der vermeintliche Anführer und Größte der Truppe kam auf uns zu und brachte mich zum Staunen als er auf englisch fragte, ob wir Deutschland - Russland spielen möchten. 

Das Vorrundenaus war schnell vergessen und wir fühlten uns praktisch von jetzt auf gleich im Achtelfinale. Wir bekamen noch einen Schnapper, der von den Jungs liebevoll Karius genannt wurde gestellt und den Kleinsten, den wir sofort Messi tauften. 

Sofort waren wir in unserem Element und schwitzen in kurzer Zeit einiges aus. Die Jungs hatten sichtlich Spaß und so kickten wir eine gepflegte Runde Fußball umgeben von hohen Plattenbau-Siedlungen bei 30 Grad - es hatte was von SC 1920 Oberhausen Flair. 

Schnell gingen wir 3:0 in Front, die Kids sahen eine eingeschworene Deutsche Mannschaft wie sie diese am Bildschirm und wir im Stadion vermisst haben. Bis zum Einbruch der Dunkelheit wurde gespielt und am Ende gewann Deutschland 6:3 gegen Russland. Wir verabredeten uns für den nächsten Abend und auf einmal kam der kleinste zu mir und sagte „Tomorrow, iam Maradonna"

Ab unter die Dusche und völlig fertig machten wir die Augen zu. Am nächsten Tag lief dann noch nicht mal mehr Fußball. Ruhetag bei der WM 2018 was man doch eigentlich nur von der Tour de France kennt. 

Der Tag verlief bis zum Abend auch eher ruhig. Wir mussten insgesamt 2 Stunden durch Kasan fahren und laufen um einen Billardtisch zu finden. Als dieser dann endlich erreicht wurde, spielten wir ein kleines Turnier aus. Es gab nur natürlich nur einen Sieger - ich heiße bis zur Abreise Christoph O‘Sullivan.:D

Anschließend kauften wir in einem Supermarkt noch Brot, Wasser und Dips für unsere letztes gemeinsames Abendmahl ein. Vorher ging es dann aber wieder auf den Fußballplatz.

Dieses Mal hatten sich die Jungs noch 3 Leute Verstärkung geholt aber selbst das reichte nicht. 

Am Ende gewannen wir wieder mit 7:6 n.E.!

Die Koffer wurden nach der Dusche gepackt und die letzte Brotzeit auf dem Zimmerboden genossen.

Bei Wurst, Käse und Aufstrich fragte ich die Jungs wie sie die Tour fanden, was am lustigsten war und was sie vermisst haben. 

Wir alle zogen ein durchweg positives Resümee, ausser mit dem Abschneiden unserer Deutschen Mannschaft konnte natürlich keiner zufrieden sein. 

Heute ging dann um 5 Uhr der Wecker, ehe wir dann lecker flockig um 9 Uhr mit dem Flieger nach Düsseldorf mit Zwischenstopp in Moskau abhoben. 

Gleich gibt es den Abschlussbericht 


Nastrovje 


Donnerstag, 28. Juni 2018

Schluss, Aus, Vorbei...

Schluss, Aus, vorbei. Wir machen gerade die Augen auf und realisieren wohl erst jetzt so wirklich das es das war. Wo soll ich anfangen? Ehrlich gesagt habe ich gerade überhaupt keine Lust diesen Beitrag zu schreiben weil es nun überhaupt keinen Lichtblick an diesem Tag gab außer eine KaraokeBar am späten Abend. 


Bei 30 Grad ging es mit dem Taxi in Richtung Innenstadt. Auf der in Kazan berühmten Bauman Street war die Hölle los. Man begegnete bekannte Gesichter und einige Deutsche Fans und die Süd Koreaner? - Fehlanzeige! Weder in Moskau oder Sochi haben wir so viele grüne, weiße und schwarze Deutsche Trikots in den Straßen herumlaufen sehen wie hier. Der erste Eindruck stimmte schon mal. Wir suchten uns zuerst eine Stovolaya aus, eine Art Kantine die nur typisch Russisches Essen zu günstigen Preisen anbietet heraus. Grundlage schaffen war die Devise. Hier zahlten wir für 4 volle Teller inkl. Salat und Suppe insgesamt 8€. Die Reisegruppe Stuttgart (VfB, Micha so besser) um Micha und Steffen durfte hierbei natürlich nicht fehlen. 

Gestärkt zogen wir in die erste Bar die sich im Kellergeschoss befand. Hier das selbe Bild wie auf den Straßen, nur Deutsche. Schnell stand ein 3 Liter Bottich Gerstensaft auf dem Tisch und so fachsimpelten wir über das kommende Spiel gegen die Koreaner. Was wir komisch fanden, wenn wir Leute aus dem asiatischen Teil der Erde erblickten, hatten diese meist Deutschland Trikots mit nur einem Namen hinten drauf und das war Mesut Özil - lassen wir es einfach mal so unkommentiert stehen. 

Gute 3 Stunden vor dem Spiel machten wir uns auf zum Taxistand. Auf dem Weg dorthin liefen wir durch Zufall noch am deutschen Mannschaftshotel vorbei wo der Bus zur Abfahrt bereit war. Dutzende Deutsche standen noch davor und wollten ein Foto mit den Stars schießen. Kurze Zeit später saßen wir also im Taxi Richtung Stadion und vor uns fuhr der Bus der Koreaner - ob sie da schon wussten das sie heute Geschichte schreiben können?

Am Stadion angekommen wurde die ein oder andere Karte noch von Schwarzmarkthändlern für den doppelten Preis verkauft und so machten wir uns ein letztes Mal auf ins Stadion. 

Die Kazan Arena war bisher das langweiligste Stadion von allen bisher gesehenen, außen wie von innen sehr trist. Eine Stunde vor Anpfiff war der Block gut gefüllt. Es herrschte aber irgendwie keine angespannte Atmosphäre in etwa wie beim Schweden Spiel sondern eher im Gegenteil - voller Optimums. Eine Art, „das packen wir heute schon, das machen wir mit links". Relativ schnell wurde allen im Block klar, dass es heute kein Spaziergang werden würde. 

Keine Stimmung im ganzen Stadion, hatte schon was von Freundschaftsspielcharakter. Das Bier was ausgeschenkt wurde war warm und mit einem Auge blickte man die ganze Zeit auf sein Handy wie es denn beim anderen Spiel der Schweden steht. 

Es wurde mehr gerechnet als sich auf das Spiel zu konzentrieren. „Reicht ein 0:0, können wir sogar 1:0 verlieren wenn México gewinnt, was wäre wenn war hier die Frage oder wie Loddar sagen würde, „Wäre, wäre Fahrradkette"!

0:0 ging es dann in die Halbzeit, die Sonne hatte sich bereits soweit gedreht das wir komplett in der brütenden Hitze standen. 

Im Verlauf der zweiten Halbzeit machte das Ergebnis der Schweden relativ Schnell die Runde und ab jetzt war es klar, wir müssen noch einen machen, unbedingt. Die Jungs auf dem Platz hatten allerdings eine andere Einstellung. Minute für Minute lief die Uhr herunter und dann kam es wie es kommen musste 1:0 für die mit Kampf spielenden Koreaner. Ich sackte zusammen und wusste „Das war‘s". Manche im Block hatten Tränen in den Augen, manche Fluchten und die anderen sagen bereits „Jogi raus". Ich hingegen verfolgte die restlichen Momente nur noch mit leerem / starren Blick aufs Spielfeld ehe noch das 2:0 fiel. So groß und ausgelassen die Freude noch nachdem Schweden Spiel war, so bitter und enttäuschend war nun mein Gefühlslage ähnlich wie nach dem EM-Halbfinalaus gegen die Franzosen. So ist es aber eben nun manchmal, dass es bei so einem Turnier nur einen Sieger geben kann. 

Was ich bereits vorher schon im Gefühl hatte bewahrheitete sich heute. Wir kommen bei dem Turnier nicht weit und sorgen nicht für Furore. Wie auch in Rio 2014 nachdem Finale blieben wir alle wortlos auf unseren Plätzen sitzen bis uns 1,5 Stunden nach Abpfiff die Ordner raus schickten. 

Auf dem Weg zum Taxi kamen uns lachende Koreaner und niedergeschlagene Deutsche entgegen und es wurde das Spiel mit dem verbundenen Vorrundenaus analysiert. Wir sind faire Verlierer und dieses Mal hat es einfach nicht gereicht. Ob jetzt jemand zurücktreten soll oder Jogi‘s Zeit abgelaufen ist möchten wir nicht kommentieren. Fakt ist, dass Veränderungen vorgenommen werden müssen wie auch immer. 

Im Taxi angekommen stellte sich für uns die Frage, ab ins Hotel und Frust schieben oder noch einen gemütlichen Abend in der Stadt verbringen. Wir entschieden uns für die zweite Variante und landeten wenig später in einer Pizzeria. Um kurz vor 23 Uhr wollten wir dann eigentlich nach Hause aber dann passierte was, womit wir nicht rechneten. Die Pizzeria verwandelte sich in eine KaraokeBar und so schmetterten wir noch bis tief in die Nacht deutsche Klassiker oder auch Ti Amo ins Mirkofon. Hier muss man sagen das Kevin mit Abstand der stärkste am Mike war und gute Chancen auf einen Sieg bei "Russki gotski Talentski" hätte. Was man sonst nur aus Liverpool oder Dortmund kennt wurde dann als letztes in Kasan gespielt. Micha, Steffen, David, Kevin, Bastian und ich nahmen sich die Mikrofone, fassten sich an den Bundesadler und sangen sinnbildlich zum Abschluss „You‘ll Never Walk Alone". 

Wir sind auch bei der nächsten EM wieder mit am Start egal wann ihr raus fliegt. 

Im Hotel angekommen machten wir die Augen zu und waren trotzdem froh bisher so eine geile Zeit miterlebt zu haben. 

Jetzt sitzen wir schon wieder in der berühmten Bauman Street und warten bis die letzten Vorrundenspiele losgehen.

Heute und morgen steht nichts mehr großes auf dem Programm ehe es dann am Samstag wieder Richtung Heimat geht.

Wir melden uns.

Nastrovje 


Mittwoch, 27. Juni 2018

Migration-Card please!

Nach knapp 50 Stunden rollten wir pünktlich auf die Minute in Kasan ein. Davon kann sich die Deutsche Bahn mal ein oder besser gesagt zwei Scheiben von abschneiden. Mit gehörigen Rückenschmerzen, Duschmangel und Kohldampf starteten wir also auf zu unserer letzten Station auf unserem Trip. Bei strahlenden Sonnenschein und knapp 30 Grad rollten unsere Koffer zum Taxiplatz. Hier standen wir etwas planlos herum und aufeinmal kam ein junger Mann auf uns zu und fragte mit gebrochenem Deutsch „Ich bin Marco und lerne gerade Deutsch, ich möchte Sie weiterhelfen". Der Mann war Weltklasse und war uns eine große Hilfe. Selbst die angebotenen 100 Rubel (=1,30€) lehnte er ab. Nach etwa 30 Minuten Fahrzeit kamen wir am Hotel an, so dachten wir zumindest. Wir sind ca. 15 Kilometer außerhalb der Stadt untergebracht und unsere App schmiss uns in irgendeiner Plattenbausiedlung raus. Die Jungs hatten schon wieder schlimmste Befürchtungen, erneut in einer Kaschemme wir in Moskau unterzukommen. Der Schock hielt aber nicht lange an, wir durchfragten uns mit dem Google Translator bis hin zur unserer 3*** Sterne Unterkunft welche grundsolide ist. Approppo Google Translator.... Wenn wir hier mit russischen Beamten, Behörden, Bürgern, Taxifahrern oder wem auch immer unterhalten, es bleibt einfach nur der Google Translator. Mit Zeichensprache oder Englisch kommst du hier nicht all zu weit. Für die Leser die diesen Dienst nicht kennen, Google bietet eine App an wo du dein Anliegen eintippen oder einsprechen kannst und dieser übersetzt es dann automatisch in die Sprache deiner Wahl. Ah wo wir gerade beim Thema Beamten und Behörden sind, fällt die Geschichte doch ordentlich ins Gewicht. Zuerst wurde geduscht was das Zeug hält, haben uns frisch gemacht und die Beine hoch gelegt. Anschließend wollten wir direkt weiter in ein Restaurant aber es schüttete aus Eimern, ein richtig übler Regenmonsum erreichte Kasan und setzte manche Teile komplett unter Wasser. Als wir auf unseren Betten lagen fiel David ein das er ja immer noch nicht seine MigrationCard hat, die wichtiger denn je bei der Ausreise ist. Kurzerhand wurde der ganze Koffer nochmal auf links gezogen aber es bleibt dabei - keine MigrationCard die ca. so groß wie eine Zigarettenschachtel ist. So entschloss sich der Jung eine Polizeistation aufzusuchen. Auf den Weg dorthin stand sogar eine Polizeistreife am Straßenrand und bevor wir jetzt groß die Station suchten fragten wir sofort bei den Kollegen nach. Es wurde natürlich wieder der Translator bemüht und uns wurde relativ schnell klar, dass dieses Problem nicht ganz so fix erledigt sein würde. Fürs Protokoll, um 18 Uhr fragten wir die Kollegen in Uniform und um kurz nach 23 Uhr hatte David dann endlich seine neue MigrationCard. Er wurde in der Zwischenzeit auf 5 verschiedene Reviere gefahren, musste unzählige Male erklären wo und wann er das Stück verloren hatte und wurde am Ende mit Fingerabdrücke und Fotos entlassen. Ein dickes Spassiba (Russisch = Danke) an die Kollegen die ihn zum Restaurant gebracht haben und danach war er fix und fertig. Kevin begleitete ihn auf dieser Tortur, für Bastian und mich war kein Platz mehr im Streifenwagen. So zogen wir in das vorher ausgesuchte Lokal und hauten uns die Bäuche voll. Während die Argentinier das Ding noch wuppten fielen uns fast schon von alleine die Augen zu. Kurz vor Mitternacht liefen wir wieder ins Hotel und holten uns noch schnell ein Eis auf die Hand. Mit einer Kugel Eis in der Hand und er MigrationCard in der Tasche schliefen wir innerhalb von Sekunden in unseren Betten ein. 


Heute klingelte der Wecker um 10 Uhr, Wir präparierten uns ein letztes Mal und hatten kurzerhand alle unsere Deutschland Kluft an. Knapp 30 Grad zeigt das Thermometer vom Taxi an, worin wir gerade sitzen. Es geht zur Baumann Street, dem Zentrum von Kasan. Wir sind gespannt und melden uns später.

Wünschen euch allen ein tolles Spiel mit dem besseren Ausgang für unsere N11

Nastrovje 


Montag, 25. Juni 2018

48 Stunden Zug, bald geschafft

Es ist gerade 6:20 Uhr und ich kann nicht mehr schlafen obwohl ich komplett fertig bin. Wir halten gerade in Saransk, ein schöner Zwischenstopp auf unserem Weg nach Kasan. Ich steige aus und vertrete mir kurz die Beine. Es steigen viele Leute zu, und die meisten wissen hoffentlich auf was sie sich einlassen. Ein Mexikaner mit Riesen Sombrero fragt den Schaffner, „Is that the Train to Moscow?" der Schaffner antwortet auf halb englisch und Russisch „No that Train goes to Novosibirsk". Der Mexikaner zieht augenrollend von dannen. Mein Timer zeigt noch 8 Stunden und 30 Minuten an. Damit wir ein Gefühl bekommen wie lange wir schon unterwegs sind und wann wir endlich aussteigen können läuft diese Uhr jetzt unermüdlich herunter. Wir sitzen jetzt seit fast genau 40 Stunden im Zug Richtung Kasan, dem dritten Gruppenspielort unserer Deutschen N11. Ich bin mir gerade nicht sicher ob sich die Qual bis hierhin gelohnt hat oder ob wir demnächst wieder das Flugzeug benutzen werden. Eins bin ich mir aber jetzt schon sicher, an die letzten Stunden werde ich noch lange zurück denken und vielen Leuten von erzählen. Aber fangen wir von vorne an und drehen die Uhr mal knappe 40 Stunden zurück. Nachdem sensationellen Last-Minute Sieg unserer Jungs ließen wir noch die Korken knallen und kamen im Morgengrauen in unserem Appartment an. Dementsprechend waren wir so Semi-Fit beim Auschecken. Es nützte aber nichts, denn die Zugfahrt worauf wir uns eigentlich schon die ganze Zeit lang freuten, stand an. Der Koffer war gepackt und so zogen wir mit 2 Taxen los zum Bahnhof, hier kauften wir einen Minimarkt quasi leer. Unter anderem holten wir Chips, Nüsse, 5 Minuten Terrinen, Brot (was seit 3 Wochen abgelaufen war), Kekse, Wasser, Pappbecher und noch ganz viel mehr. Insgesamt waren 5 Tüten voll die jetzt mittlerweile schon wieder alle leer sind. Wir hatten noch 15 Minuten Zeit und so holte David schnell 4 Sandwiches bei SubWay aber „to go please". Wir ahnten bis dato nicht, dass es das letzte vernünftige Essen war was wir bis hierhin zu uns nehmen würden.

Eine Rolltreppe weiter nach unten, stand er da, unser Zug Ćœ3267 nach Novosibirsk. Kurz vor dem Einsteigen warf ich noch einen Blick auf die Anzeigetafel und staunte nicht schlecht als dort 33 Grad drauf stand, hoffentlich hat der Klima dachte ich mir. Wir passierten Wagon für Wagon, eine schier unendlich lange Strecke bis wir endlich an unserem gebuchten Abteil angekommen waren. Dieser Zug hat in etwa 35 Wagons und ist länger als 8 Fußballfelder, ein unglaubliches Monstrum. Am Abteil angekommen liefen die ersten Schweißperlen schon von mancher Stirn, die ersten fluchten und die anderen wollten am liebsten direkt wieder raus. Man muss sich das mal vorstellen, 4 große Koffer, 4 Tüten Proviant und 4 Männer die teilweise weit über 100 Kilo wiegen müssen sich für die kommenden 50 Stunden eine „Zelle" teilen die nicht größer als 4qm Meter groß ist. Die Koffer wurden platziert und dann war das Abteil aber auch schon voll, wir sahen keine Möglichkeit dies hier nur ansatzweise durchzustehen oder besser gesagt auszusitzen. Nun lautete die Devise „Ruhe bewahren und nicht die Nerven verlieren". Bastian hatte komplett den Papp auf und wollte am liebsten sofort wieder aussteigen, die anderen waren aber auch kurz davor, ich hingegen lachte in mich hinein. Nachdem die Koffer irgendwie platziert wurden, bekamen wir auch noch von sehr strengen russischen Schaffnern erklärt wie wir uns zu verhalten haben und was es zu beachten gibt. Erzählen konnte der uns viel, verstanden haben wir von all dem gar nichts. Der Zug rollte und wir zogen uns zurück ins Bordbistro welches sich zum Glück nur 2 Wagons weiter befand. Uns lief der Schweiß förmlichen aus allen Löchern nur so heraus und hatten mittlerweile diverse Flugbuchungs-Apps geöffnet. Steigen wir an der nächsten Haltestelle wieder aus und fahren zurück? Nehmen wir uns noch 1/2 Tage ein Hotel und bleiben am Meer? Fliegen wir dann von Sochi nach Kasan? Steigen wir nach 10 Stunden in Rostov am Don aus und fliegen von da aus weiter? Diese und noch viele weitere Ideen hatten wir. Das Ding hier und heute bzw die nächsten 2 Tage durchzustehen stand jedenfalls ganz unten auf dem Zettel. Auf einmal kam so etwas wie schlechte Stimmung auf, Bastian zog sich zurück ins Abteil und suchte den Chatverlauf aus unserer WhatsApp Gruppe heraus und zeigte mir wenig später was er damals davon gehalten hat in diesen Zug zu steigen - Nichts hielt er davon.:D Kevin war nur noch sprachlos und David guckte mich entsetzt an. Was tun war die Frage?

Für mich stand aber fest, egal was nun noch kommen mag wir ziehen das Ding jetzt durch. Und so war es dann auch. Das Bistro hatte Kaltgetränke an Bord und so stießen wir auf die kommenden 50 Stunden an. Die Klimaanlage wollte nicht so recht anspringen und das Fenster durften wir auch nicht öffnen also lautete die Devise weiter zu schwitzen. Meine Freunde aus dem Schwabenländle trafen derweil auch ein. Und die beiden Jungs Micha und Steffen räumten dann die letzten Restzweifel aus diese Tour zu einer unvergessenen zu machen. Die beiden sind nämlich schon quasi alte Hasen auf dem Gebiet. Im letzten Jahr fuhren sie nämlich schon beim ConfedCup genau die gleiche Strecke und überzeugten uns mit Spaß an die Sache ran zu gehen. Bastian schmorte weiterhin im Abteil und der Rest der Reisegruppe aklimatisierte sich im Bordbistro bei Gebäck und Bier. Die erste Minuten verflogen, es ging am Schwarzen Meer entlang und wir wären gedanklich gerne rein gesprungen aber es nützte ja nichts. Mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 60 km/h ging es dann nach ein paar Stunden von der Küste, rechts ab ins Landesinnere. Ich schaute auf meinen Timer, der nur noch 44 Stunden anzeigte und dachte mir „wir haben es bald geschafft":D. Viel wurde erzählt und gelacht, die Stimmung kippte und so waren wir schnell froh doch nicht wieder ausgestiegen zu sein. Um 21 Uhr machte das Bordbistro dann auch zu und wir zogen auf unsere Zimmer oder nein ich bleibe lieber beim dem Ausdruck „Zelle" zurück. Hier wurde weiter viel geschunkelt und gelacht. Als wir unsere Musikbox eine Stufe lauter drehten klopfte sekundenspäter der strenge Schaffner am Abteil und gab uns zu verstehen mal „halblang" zu machen. Irgendwann fielen uns dann aber auch die Augen zu und so rollten wir durch die Russische Nacht. Keine 5 Stunden später musste ich die Zelle verlassen, weil es vor Gestank und der dortigen Hitze nicht mehr auszuhalten war. Ich lief zum Bordbistro wo bereits für manchen das Frühstück serviert wurde. Der Zug ist im übrigen komplett ausgebucht und in etwa hatten 10 weitere deutsche Fans dieselbe verrückte Idee wie wir mit der Bahn anzureisen. Wir hätten mit mehr Deutschen gerechnet. Als ich den ersten Teller bestückt mit Reis und Hühnchen wohl gemerkt zum Frühstück sah, wollte ich nur noch weg. Selten sowas ekelhaftes gesehen bzw gegessen. Für mich war klar, dass ich aus diesem Zug nichts nahrhaftes zu mir nehmen werde. So blieb uns für die kommenden Stunden nur Flüssignahrung. Der gestrige Tag lief dann in etwa genau so ab wie der davor. Wir saßen zu 6 in unserem Abteil, schauten nach draußen und unterhielten uns über teils sehr interessante Themen. Zum Beispiel wollte ich von den Stuttgarter Jungs, die im übrigen eigentlich zu jedem VFB Spiel fahren, wissen...Wass denn ihr größter Moment mit dem VFB war. Micha war sich schnell sicher, damals als wir in Bochum 3:2 gewannen und praktisch Meister waren. Steffen musste überlegen und war sich nicht sicher ob es sogar einer dieser magischen Champions League Nächte aus den glorreichen Zeiten des VFB war. Als das Wort Champions League fiel zuckte Kevin kurz zusammen und fragte in die Runde „Wisst ihr eigentlich wer von uns 6en am nähesten dran war in der Champions League zu spielen?" Uns war die Antwort klar, den anderen beiden Jungs nicht...Kevin führte fort: „Ich, weil ich mal 8 Minuten in der Oberliga gespielt habe" Da fehlte wirklich nicht viel bis zur Königsklasse aber recht hatte er. :D 

Wir halten auf der Strecke insgesamt 41 mal und immer wenn der Zug zum stehen kommt erwartet uns etwas anderes. Da diese Stops meist mehr als 20 Minuten andauern kann man sich gut die Beine vertreten. Mal hielten wir in der Pampa an Banhöfen an wo keine Menschenseele zu erblicken war, mal kamen dir Frauen mit allerlei an Gemüse, Obst und Gebäck entgegen die ihr eigenen Sachen verkaufen wollten. Aber immer war irgendwo ein kleiner Kisok wo man sich kleine Snacks und was kaltes zu trinken kaufen konnte. Wir hielten uns aber immer in der Nähe unseres Schaffner auf, mit dem wir stets Augenkontakt bei solchen Stopps hatten, denn der Zug fährt praktisch Wort und Signallos einfach weiter, auf die Minute und ohne Rücksicht auf Verluste. 

Die zweite Nacht verging und so sitze ich hier gerade neben der Bordtoilette denn die spuckt einen besseren Duft als unser Abteil aus. Ich schaue aus dem Fenster und überlege was ich noch schreiben kann. Dabei zieht an mir die teils karge russische Steppe an mir vorbei. In den vergangenen 40 Stunden habe ich einen landschaftlichen Einblick Russlands bekommen und das war auch mit ein Grund wieso ich diese Tour gebucht habe. Oft fragte ich mich wie die Leute hier leben. Einsame Häuser standen mitten im nirgendwo und weit und breit war nichts zu sehen. Keine Stadt, kein Supermarkt, keine Tankstelle, kein Internet einfach nichts. Und oft habe ich mir gedacht, das wir uns glücklich schätzen können teilweise in Saus und Braus zu leben. Jetzt werde ich ja fast schon Melancholisch. Schauen wir nun nach vorne. Uns erwartet um 15 Uhr die Ankunft in Kassn und der Timer wird dann um Punkt 15:04 Uhr klingeln. Ein Moment indem wir wahrscheinlich alle 3 Kreuzzeichen machen werden. Dann geht es ins Hotel und dann gibt es eine wohlverdiente Dusche, die wir natürlich seit vorgestern nicht mehr gesehen haben. Anschließend gibt es was vernünftiges zu Essen und wir schauen uns die restlichen WM Spiele am heutigen Tag im TV an. 

Dann steht wohl nur noch Erholung auf dem Programm ehe es morgen dann schon wieder heißt „Einigkeit und Recht und Freiheit..."


Entschuldigt bitte dass ich mich nicht regelmäßig hier melden konnte. Hier auf dem Land hatten wir teilweise stundenlang kein Internetempfang und somit waren mir die Hände gebunden. Fotos folgen hier später auch noch. 


Wünsche euch allen einen schönen Tag.

Nastrovje